Bertuchs Blumen für die Kunst

Wenn Kunst zu blühen beginnt, entsteht ein Dialog, der alle Sinne anspricht: Mit dem Ausstellungsprojekt »Bertuchs Blumen für die Kunst« präsentiert die Weimarer Mal- und Zeichenschule im Rahmen der Weimarer Museumsnacht 2026 am 16. und 17. Mai 2026 eine außergewöhnliche Schau, die bildende Kunst und florale Gestaltung auf eindrucksvolle Weise miteinander verbindet.
Im Mittelpunkt steht eine ebenso einfache wie faszinierende Idee: Kunstwerke werden nicht nur gezeigt, sondern durch florale Interpretationen neu gelesen. Pflanzen, Blüten und organische Materialien greifen Formen, Farben und Inhalte von Gemälden, Zeichnungen und Objekten auf – und übersetzen sie in eigenständige, lebendige Arrangements. So entstehen spannungsvolle Gegenüberstellungen, in denen sich Bild und Blume begegnen, ergänzen und gegenseitig erweitern.
Insgesamt 34 Künstlerinnen und Künstler sind an dem Projekt beteiligt. 17 Dozentinnen und Dozenten der Schule präsentieren eigene Werke. Diese Arbeiten werden von 17 weiteren Kunstschaffenden floristisch interpretiert. Das Ergebnis ist ein vielschichtiger künstlerischer Dialog, der neue Perspektiven eröffnet und die Wahrnehmung von Kunst auf sinnliche Weise erweitert.
Die Ausstellung knüpft an internationale Vorbilder wie »Flowers to Art« an, entwickelt jedoch bewusst eine eigene Handschrift: Anders als klassische Museumsformate findet sie in den lebendigen Räumen und Ateliers der Weimarer Mal- und Zeichenschule statt. Präsentiert wird das Projekt sowohl im Hauptgebäude der Weimarer Mal- und Zeichenschule in der Seifengasse als auch in der Dependance, dem Bilderhaus, Am Poseckschen Garten1. Beide Orte werden zu Erfahrungsräumen, in denen sich Kunst, Natur und Raum miteinander verweben.
Gleichzeitig steht die Ausstellung im Zeichen eines besonderen Jubiläums: Vor 250 Jahren wurde die »Fürstlich freie Zeichenschule« gegründet – ein Meilenstein der kulturellen Bildung in Weimar. Das Projekt versteht sich als zeitgenössische Fortschreibung dieser Tradition und zeigt, wie lebendig und relevant die Verbindung von Kunst und Bildung bis heute ist.
Ein zentraler ideeller Bezugspunkt ist Friedrich Justin Bertuch – Gelehrter, Unternehmer und Mitbegründer der Zeichenschule. Als leidenschaftlicher Naturfreund, Sammler und Herausgeber der Zeitschrift »Blumistik für Frauenzimmer und Pflanzenliebhaber« prägte er die Verbindung von Kunst, Wissenschaft und Gartenkultur in Weimar nachhaltig. Seine Begeisterung für Pflanzen und ästhetische Bildung spiegelt sich in der Ausstellung wider und wird in die Gegenwart übertragen.
»Bertuchs Blumen für die Kunst« versteht sich nicht nur als Ausstellung, sondern als sinnliches Erlebnis: Farben, Formen und Düfte schaffen eine Atmosphäre, die Besucherinnen und Besucher unmittelbar anspricht. Die Inszenierung lädt dazu ein, Kunst neu zu entdecken – nicht nur visuell, sondern auch emotional und räumlich.
30. April 2026