Jeder Unterricht ist unwiederholbar in den wertvollsten Momenten, wenn es gelingt, in diesem oder jenem Schüler die innerste Zelle zu treffen und ein geistiges Licht anzuzünden.
Johannes Itten, Meister am Bauhaus

3. Donnerstagsmail

Lilli Lambrecht Klassische Techniken und Experimente bei Frank Steenbeck

Wir leben in surrealen Zeiten! Das Verhältnis von Nähe und Distanz, von Einsam- und Gemeinsamkeit ist ins Schwimmen geraten. Wir verbinden uns mit Menschen im virtuellen Raum, während wir von unseren Verwandten, Nachbarn und Freunden Abstand halten müssen – oft mit schmerzhaften Folgen wie Einsamkeit oder Verlustängsten.

Zugleich fühlen wir uns einer großen Schicksalsgemeinschaft zugehörig, die die gleichen Erfahrungen teilt und sich gegenseitig mit kleinen und großen Zeichen der Zugewandtheit und der Solidarität stärkt. Die Einschränkung des persönlichen Radius auf ein Minimum erleben viele von uns als belastend, vor allem dann, wenn wir die eigenen vier Wände nicht mehr oder kaum noch verlassen dürfen. Nutzen wir die Zeit der Entschleunigung zur Besinnung auf uns selbst und auf das, was im Leben wirklich zählt: auf unsere Lieben nah und fern, auf das Erwachen des Frühlings um uns herum, auf unsere vielfältigen Stärken und das, was uns als Menschen auszeichnet!

Für die vielen, lieben und zugewandten Worte, mit denen Sie die Kolleginnen und mich regelmäßig per E-Mail bedenken, möchte ich mich im Namen aller ganz herzlich bedanken! Vielfach teilen Sie uns mit, wie sehr Ihnen oder ihren Kindern die Mal- und Zeichenschule, der Dialog mit den Dozentinnen und den anderen Teilnehmer*innen fehlt. Es ist schön und wohltuend zu erfahren, welchen hochgeschätzten Stellenwert unser Haus als Ort des Kunstschaffens, der Kommunikation und Begegnung besitzt. Und damit Sie nicht ganz von uns abgeschnitten sind, schicken wir Ihnen auch diese Woche wieder ein farbenfrohes Motiv aus einem der Ateliers. Mit diesem möchten wir die Osterferien, die regulär am Samstag dieser Woche begonnen hätten, einläuten.

Es ist ein bunter, junger Hahn, den Lilli Lambrecht Anfang März getöpfert hat. Sie besucht regelmäßig den Keramikkurs für Erwachsene »Klassische Techniken und Experimente«, der von dem Jenaer Künstler Frank Steenbeck geleitet wird. Für Lilli Lambrecht war es sehr wichtig, das Motiv des Hahnes frei und individuell zu interpretieren. In der farbenfrohen Ostertradition gestaltete sie die Oberfläche des Tons mit kräftigen Blau-, Grün-, Rot- und Orangetönen. Eine besondere Dynamik erfährt die Form des Tieres durch die gekreuzte Stellung der Beine und den nach hinten gewendeten Kopf. Und so aufrecht, kraftvoll und lebensfroh wie dieser stolze Hahn sich der Welt um ihn herum öffnet, so offen wollen wir jede und jeder für sich und alle gemeinsam dem Leben und seinen verborgenen wie offensichtlichen Schönheiten begegnen!

Bleiben Sie gesund und guten Mutes!

Herzlichst
Ihre Dana Fürnberg und das Team der
Weimarer Mal- und Zeichenschule

2. Donnerstagsmail der Malschule

Gottes schöne, bunte Welt_Clara Boroniec_Mal- und Zeichenlabor für Kinder und Jugendliche bei Bahram Nematipour

Das Corona-Virus fegt über Europa hinweg, die Menschen haben sich aus dem öffentlichen Leben weitestgehend zurückgezogen und alle Bildungseinrichtungen bleiben weiterhin geschlossen. In der letzten Woche kündigte ich Ihnen an, dass wir Ihnen, solange dieser unsägliche Zustand anhält, regelmäßig donnerstags ein Bild-Motiv vorstellen möchten, welches in den letzten Wochen in der Weimarer Mal- und Zeichenschule entstanden ist.

Heute präsentieren wir Ihnen das Bild »Gottes schöne, bunte Welt« der 12-jährigen Clara Boroniec. Es ist in dem »Mal- und Zeichenlabor für Kinder und Jugendliche« bei Bahram Nematipour entstanden. Zu sehen ist ein vielfarbiger Landschaftsausschnitt, in dessen Mitte zwei einander zugewandte Schafe dargestellt sind. Eines der beiden Schafe scheint friedlich zu schlafen, das andere zu grasen. Sowohl die Schafe als auch Teile der stark abstrahierten Landschaft werden durch einen schwarzen Strich konturiert. Durch die Kontur sind die Formen aus den Farbfeldern sichtbar herausgearbeitet.

Beim Betrachten des Bildes wird deutlich, dass Clara sich intensiv mit dem Gemälde »Schafe« von Franz Marc, das er im Jahr 1912 im Bayrischen Voralpenland gemalt hat, beschäftigte. Die Auseinandersetzung mit Stilrichtungen und Künstlern, die die Kunstgeschichte maßgeblich prägten, gehört ebenso zum Kunststudium und zum Erwerb von künstlerischen Fertigkeiten wie das freie Assoziieren und Phantasieren.

Franz Marc schuf das Bild »Schafe« in dem Jahr, in dem von ihm und Wassily Kandinsky der »Blaue Reiter« ins Leben gerufen wurde, eine der bedeutendsten, die Kunstbetrachtung revolutionierenden Künstlervereinigungen der Moderne.
Und Clara Boroniec interpretierte das Gemälde heute, 2020, in einem Jahr, dass die Denk- und Handlungsweise der Weltgemeinschaft erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg in einer ungeahnten Weise auf den Prüfstand stellt.

Fragen, wie sich unsere Gesellschaft durch die Corona-Krise verändert oder welche Auswirkungen diese auf das Miteinander der Menschen haben wird, werden aktuell viel diskutiert. Es ist wichtig, dass wir Menschen trotz Isolation, Rückzug und Quarantänemaßnahmen miteinander im Gespräch bleiben!
In diesem Sinne freuen wir uns wieder auf Ihre Reaktionen, die uns schon in der letzten Woche zahlreich erreichten und uns liebevoll durch unseren Alltag in der stillen Mal- und Zeichenschule getragen haben.

Herzlichst
Ihre Dana Fürnberg und das Team der
Weimarer Mal- und Zeichenschule

1. Donnerstagsmail der Malschule

Weimarer Land im Frühling von Monika Schäfer, Atelier am Mittwochmorgen bei Peter Vent

Liebe Freundinnen und Freunde der Weimarer Mal- und Zeichenschule,

seit Montag ist unser Haus geschlossen. Wenn man während der Woche durch die leeren Ateliers geht, die sonst mit buntem Leben, Stimmengewirr und farbenfrohen Bildern gefüllt sind, wird es einem ganz traurig ums Herz.

Die Welt ist aus den Fugen! Viele Menschen leben in Sorge und Angst, Familien müssen unter großem Druck ihr Leben neu organisieren, Kinder sollen nicht miteinander spielen, alte Menschen fühlen sich mitunter allein gelassen. Und plötzlich sehnen wir uns nach dem zurück, was uns sonst im Alltag selbstverständlich und manchmal auch lästig erscheint.
Darum hoffen wir auf eine rasche Rückkehr zur »Normalität«. Wir wünschen uns sehr, dass Sie und Ihre Kinder gemeinsam mit den Künstlern der Mal- und Zeichenschule bald wieder in einen kreativen Austausch treten können!
Um Ihnen in den nächsten Wochen ein wenig Farbe und Abwechslung in Ihren Alltag bringen zu können, möchten wir Sie, solange unsere Pforten geschlossen bleiben müssen, immer donnerstags mit einem schönen Motiv erfreuen, das in einem der aktuellen Kurse des Sommersemesters entstanden ist.
Heute stellen wir Ihnen das Bild »Weimarer Land im Frühling« von Monika Schäfer vor. Es zeigt einen unverstellten Blick auf die Natur, die sich gerade in ihrem schönsten Gewand mit frischem Grün und dem zarten Weiß der jungen Blüten präsentiert. Das Bild ist im Kurs »Atelier am Mittwochmorgen« bei Peter Vent entstanden.
Wir wünschen Ihnen in diesen aufwühlenden Zeiten, dass Sie in der Natur Kraft, Energie und Ruhe tanken können!

Ihre Dana Fürnberg und das Team der
Weimarer Mal- und Zeichenschule

Die Hand!
Büsten nach Werken von Lucas Cranach  |  Arbeiten in Ton mit Glasur  |  Keramikkurse von Petra Töppe-Zenker |  Cranachprojekt 2015 der Weimarer Mal- und Zeichenschule